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Die Verantwortlichkeit des Verwaltungsrats

Die Anforderungen an Verwaltungsräte steigen kontinuierlich: Neue gesetzliche Vorgaben, technologische Entwicklungen wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sowie zunehmend komplexe Führungsfragen fordern klare Entscheidungen und strategische Weitsicht.

Der swissVR Monitor I/2026 zeigt auf, welche Chancen und Risiken Verwaltungsräte aktuell besonders beschäftigen – und wie sich ihre Rolle und Arbeitsweise spürbar verändern.

Dem Verwaltungsrat obliegen gem. Art. 716a Abs. 1 OR unübertragbare und unentziehbare Aufgaben. Angesichts sich laufend ändernder gesetzlicher Vorschriften, der fortschreitenden Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz sowie zunehmend anspruchsvoller Führungsfragen stellt deren Wahrnehmung eine ständige Herausforderung dar. Diese Aufgaben sind abschliessend geregelt und dürfen weder an andere Organe noch an Dritte übertragen werden.

Wie geht der Verwaltungsrat mit diesen Herausforderungen um? Im Rahmen des swissVR Monitor I/2026 mit dem Titel «Chancen und Risiken 2026 – Was auf Verwaltungsräte zukommt» haben 314 Verwaltungsrätinnen und Verwaltungsräte aus kleinen, mittleren und grossen Unternehmen Auskunft gegeben. Die Studie wurde im Februar 2026 von swissVR, Deloitte Schweiz und der Hochschule Luzern veröffentlicht.

Welche Entwicklung prägt die Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung zunehmend?

Welche Entwicklung prägt die Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung zunehmend?
Chancen 2026: Effizienz, Digitalisierung und Marktsreaktionsfähigkeit
  1. Effizienzsteigerung und Optimierung interner Prozesse (36 %): Die meistgenannte Chance steht in engem Zusammenhang mit der Digitalisierung. Geplante Massnahmen umfassen den gezielten Einsatz von KI und Automatisierung, Investitionen in Transformationsprojekte, den Beizug externer Beratung, den Ausbau technologischer Kompetenzen sowie die Anpassung von Aufbau- und Ablauforganisation.
  2. Digitalisierung, Robotik und Automatisierung (28 %): Künftig sollen Einsatzbereiche von KI klarer definiert, priorisiert und auf die spezifischen Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmt werden. Verwaltungsräte planen insbesondere, Anwendungsfelder künstlicher Intelligenz festzulegen und eine angemessene KI-Governance zu etablieren.
  3. Reaktion auf Marktentwicklungen und Wettbewerbsverhalten (22 %): Geplante Massnahmen sind eine kontinuierliche Markt- und Wettbewerbsanalyse, die gezielte Förderung der Ideengenerierung, eine verstärkte Produktentwicklung sowie eine Intensivierung der Markteintrittsaktivitäten.

Die Gewichtung der Chancen variiert nach Unternehmensgrösse: Bei KMU steht die Effizienzsteigerung klar im Vordergrund, während sie sich bei Grossunternehmen den ersten Platz mit der Digitalisierung teilt.

  Risiken 2026: Cybersicherheit, Risikomanagement und Compliance
  1. Sicherheitsmanagement und Cyber-Resilienz (17 %): Das am häufigsten genannte Risiko betrifft insbesondere Cyberangriffe. Als Gegenmassnahmen nennen die Befragten Awareness-Schulungen und Sensibilisierung der Mitarbeitenden, die Verbesserung der IT-Infrastruktur und der internen Kontrollsysteme, Sicherheitschecks und Intrusionstests (simulierte Angriffe), den Ausbau personeller Cyberressourcen sowie die Erstellung von Cybernotfallplänen und Krisenmanagementstrukturen.
  2. Risikomanagement (13 %): Die Verwaltungsratsmitglieder sehen in der hohen Regulierungsdichte und im daraus resultierenden grossen Complianceaufwand ein zentrales Problem. Geplant sind der Ausbau der Risikoanalyse, die Definition interner Krisenprozesse, die Verstärkung personeller Ressourcen im Risikomanagement sowie gezielte Awareness-Kampagnen.
  3. Compliance (12 %): Die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und interner Verhaltensrichtlinien bleibt eine der grössten Herausforderungen. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die zunehmende Regulierungsdichte auf nationaler wie internationaler Ebene.

Die genannte Reihenfolge der Risiken gilt in erster Linie für mittlere und grosse Unternehmen. In kleineren Unternehmen haben Personalrisiken einen grösseren Stellenwert. Hinzu kommen branchenspezifische Unterschiede: Im Bau- und Immobiliengewerbe wird beispielsweise die Fremdfinanzierung (18 %) als grösstes Risiko genannt, gefolgt von der Nachfolgeregelung im Verwaltungsrat.

 

RisVeränderungen bei der Verwaltungsratstätigkeit 
  • 60 % der Verwaltungsratsmitglieder berichten von einem höheren Zeitaufwand für ihr Mandat ein Ausdruck der steigenden Komplexität der Themen.
  • 53 % stellen eine intensivere Interaktion mit der Geschäftsleitung fest, bedingt durch vermehrte Krisen und neue Herausforderungen.
  • 32 % beobachten einen steigenden Reputationsdruck.
  • 24 % nehmen eine stärkere Einflussnahme der Aktionäre wahr.
  • 13 % stellen eine intensivere Interaktion mit der externen Revision fest.
  • 11 % berichten von einer Erhöhung der Entschädigung.

Unübertrgbare Pflichten des Verwaltungsrats gem. Art. 716a Abs. OR: 

 
  1. Oberleitung der Gesellschaft und Erteilung der nötigen Weisungen

  2. Festlegung der OrganisationAusgestaltung des Rechnungswesens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung, sofern diese für die Führung der Gesellschaft notwendig ist

  3. Ernennung und Abberufung der mit der Geschäftsführung und Vertretung betrauten Personen

  4. Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Personen, namentlich im

  5. Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen

  6. Erstellung des Geschäftsberichts sowie Vorbereitung der Generalversammlung und Ausführung deren Beschlüsse

  7. Einreichung des Gesuchs um Nachlassstundung und Benachrichtigung des Gerichts im Falle der Überschuldung

Wie können sich Verwaltungsräte auf diese Herausforderungen vorbereiten? Der Zertifikatslehrgang «KMU-Verwaltungsrat kompakt» vermittelt den Teilnehmenden die wesentlichen gesetzlichen und statutarischen Aufgaben sowie die Pflichten und Rechte eines KMU-Verwaltungsrats. Darüber hinaus behandelt der Lehrgang drei zentrale Schwerpunktthemen: Risikomanagement und Reporting/Controlling, Digitalisierung sowie finanzielle Steuerung und Bilanzfälschung. Der Lehrgang wird an das Executive CAS SwissAccounting angerechnet.

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