SwissAccounting Blog

Tag der Rechnungslegung 2026 – aktuell und praxisnah

Geschrieben von Dieter Pfaff | 28/08/2026 12:26

Rechnungslegung verändert sich – und selten nur an einer Stelle. Neue Standards, aktuelle Rechtsprechung, Digitalisierung und künstliche Intelligenz wirken gleichzeitig auf Prozesse, Abschlüsse und die tägliche Arbeit im Finanzbereich. Unser Tag der Rechnungslegung 2026 greift genau diese Themen auf. Ein vielseitiger Vormittag für alle Teilnehmenden und zwei parallele Vertiefungstracks am Nachmittag verbinden Aktualität mit konkretem Praxisnutzen.

Der Vormittag beginnt mit einem breiten Blick auf die aktuellen Herausforderungen der Buchführung und Rechnungslegung nach OR. Marco Passardi nimmt dabei nicht nur klassische Bilanzierungsfragen auf, sondern verbindet diese mit Steuerrecht, Rechtsprechung und Enforcement. Auf dem Programm stehen unter anderem Arbeitgeberbeitragsreserven, steuerlich relevante Eigenkapitalfragen und aktuelle Bundesgerichtsentscheide. Besonders praxisnah wird es beim Thema «Creative Accounting»: Wo endet zulässige Gestaltung, wo beginnen problematische Aktivierungen, künstliche Abgrenzungen oder gar «Luftbuchungen»? Hinzu kommen die aktuellen Prüfschwerpunkte der SIX – darunter Ertragssteuern, Segmentberichterstattung und Fair-Value-Themen.

 

Vom Monatsabschluss zur intelligenten Finanzfunktion

Anschliessend richtet Irfan Yasar den Blick auf eine Herausforderung, die wohl jede Finanzabteilung kennt: Wie lässt sich der Monats- und Jahresabschluss schneller, robuster und gleichzeitig besser machen? Seine zentrale Botschaft ist wohltuend pragmatisch: Nicht das nächste Tool löst die Probleme, sondern klare Prozesse, standardisierte Regeln, gute Daten und eindeutige Verantwortlichkeiten. Erst darauf setzen Automatisierung und digitale Werkzeuge sinnvoll auf.

An konkreten Beispielen zeigt Yasar, wie Informationsbeschaffung, Abgrenzungen, Umbuchungen und Plausibilisierungen strukturiert und teilweise automatisiert werden können. Statt immer wieder dieselben Excel-Auswertungen manuell zu erstellen, lassen sich Regeln ins System verlagern und Auffälligkeiten gezielt herausfiltern. Damit verändert sich auch die Rolle von Finance und Controlling: weniger Zeit für wiederkehrende Routinen, mehr Aufmerksamkeit für die wirklich relevanten Abweichungen und für die Interpretation der Zahlen.

Und dann kommt die Frage, die derzeit wohl kaum eine Finanzfunktion unberührt lässt: Was kann künstliche Intelligenz im Abschluss tatsächlich leisten? Fabian Meisser trennt in seinem Referat bewusst Realität von Hype. Anhand konkreter Projekte aus Schweizer Finanzabteilungen zeigt er, wo KI-Agenten 2026 bereits produktiv eingesetzt werden – und wo menschliche Kontrolle unverzichtbar bleibt.

Die Beispiele reichen von der automatisierten Verarbeitung und Abstimmung von Kreditkartenbelegen über die Bestellüberwachung und Fakturierung aus Teams bis zu automatisierten Lohnchecks. Gerade letzteres Beispiel zeigt das Potenzial eindrücklich: Statt Stichproben können sämtliche Abrechnungen regelbasiert geprüft werden, während die KI Auffälligkeiten interpretiert und priorisiert. Der Mehrwert liegt damit nicht nur in Zeitersparnis, sondern häufig vor allem in höherer Qualität, früherer Fehlererkennung und vollständigeren Kontrollen.

Am Nachmittag: Sie haben die Wahl – Swiss GAAP FER oder IFRS

Nach dem gemeinsamen Vormittagsprogramm teilt sich der Tag in zwei parallele Fachtracks. Damit können die Teilnehmenden genau dort vertiefen, wo ihr beruflicher Schwerpunkt liegt.

Swiss GAAP FER: Was gilt 2026 – und was kommt als Nächstes?

Im Swiss-GAAP-FER-Track gibt Silvan Loser zunächst einen kompakten Überblick über die aktuellen Entwicklungen. Ein Schwerpunkt liegt auf der revidierten FER 16 zu Vorsorgeverpflichtungen, die ab 2027 verpflichtend wird. Hinzu kommen die laufenden Improvements-Projekte, die Überarbeitung von FER 26 sowie konkrete Praxisfälle. Gerade für den Abschluss 2026 ist die Abgrenzung wichtig: Was gilt bereits heute, und auf welche Änderungen müssen sich Unternehmen für die kommenden Jahre vorbereiten?

Armanda Baumgartner greift anschliessend eine jener Fragestellungen auf, bei denen der Blick in den Standard allein nicht immer genügt: Wie sind Zwischengewinne bei Transaktionen mit assoziierten Organisationen zu behandeln? Anhand von Upstream- und Downstream-Fällen zeigt sie, welche Spielräume Swiss GAAP FER lässt und welche Konsequenzen sich für Konsolidierungsbuchungen, Bilanzierungspolitik und Offenlegung ergeben.

Reto Eberle ergänzt den Track mit weiteren aktuellen Praxisfragen: Transaktionen mit Aktionären nach FER 24, Spenden und Zuwendungen für Investitionsvorhaben sowie die Weiterentwicklung von FER 21 und der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die Beispiele – etwa ein Liegenschaftsverkauf zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft oder ein zinsloses Aktionärsdarlehen – zeigen anschaulich, wie stark bei Swiss GAAP FER die wirtschaftliche Substanz einer Transaktion im Mittelpunkt steht.


IFRS: IFRS 18 wird konkret

Im parallelen IFRS-Track steht naturgemäss IFRS 18 im Mittelpunkt – aber nicht nur. David Baur und Michael Imbach geben zunächst ein Update zu aktuellen IFRS-Entwicklungen. Dazu gehört der neue IFRS 20 zu regulatorischen Vermögenswerten und Schulden, aber auch ein ausgesprochen aktueller Praxisfall zu Batterie-Energiespeichersystemen: Wann liegt bei solchen neuen Geschäftsmodellen ein Leasingverhältnis vor, wann greifen andere Standards? Die Beispiele zeigen, dass moderne IFRS-Bilanzierung zunehmend nicht nur Kenntnisse der Standards, sondern auch ein tiefes Verständnis der technischen und wirtschaftlichen Realität eines Geschäftsmodells verlangt.

Bei IFRS 18 werden zudem die Auswirkungen auf die Geldflussrechnung konkret: Bei der indirekten Methode ändert sich der Ausgangspunkt der Überleitung, Zinszahlungen und Zinserträge werden neu zugeordnet und vermeintlich einfache Bilanzbewegungen müssen sauber von tatsächlichen Cashflows abgegrenzt werden.

Oliver Köster zeigt schliesslich unter dem Titel «IFRS 18 – Eine Reise mit vielen Unbekannten», weshalb der neue Standard weit mehr ist als eine neue Gliederung der Erfolgsrechnung. Fremdwährungsdifferenzen, konzerninterne Finanzierungen, Cash-Pooling und Sicherungsgeschäfte werfen anspruchsvolle Zuordnungsfragen auf. Gleichzeitig müssen Unternehmen entscheiden, wie sie operative Aufwendungen darstellen und wie sich die neuen Strukturen auf EBIT, EBITDA und andere zentrale Performance-Kennzahlen auswirken.

Gerade diese Praxisfragen machen deutlich: IFRS 18 ist kein reines Accounting-Projekt. Kontenplan, Buchungslogik und Konsolidierung sind ebenso betroffen wie Treasury, Controlling und Investor Relations. Wer erst kurz vor der Erstanwendung mit der Umsetzung beginnt, dürfte deshalb an verschiedenen Stellen auf Überraschungen stossen.

Ein Tag, viele Perspektiven – und vor allem viel Praxis

Der Tag der Rechnungslegung 2026 spannt damit bewusst einen weiten Bogen: von aktuellen OR-, Steuer- und Enforcement-Fragen über einen effizienteren Abschluss und den realistischen Einsatz von KI-Agenten bis hin zu den neuesten Entwicklungen bei Swiss GAAP FER und IFRS.

Was die Referate verbindet, ist ihr konsequenter Praxisbezug. Es geht nicht nur darum, was in einem Gesetz oder Standard steht, sondern darum, was dies für konkrete Buchungen, Prozesse, Systeme und Entscheidungen bedeutet. Praxisfälle, aktuelle Entwicklungen und Erfahrungen aus Unternehmen stehen deshalb im Zentrum.

Wer für den Abschluss 2026 fachlich auf dem neuesten Stand sein und gleichzeitig wissen möchte, welche Themen bereits für 2027 und die kommenden Jahre vorbereitet werden sollten, findet an diesem Tag eine aussergewöhnlich breite Palette an Impulsen.

Wir freuen uns auf einen intensiven, praxisnahen und abwechslungsreichen Tag der Rechnungslegung 2026 – und auf den fachlichen Austausch mit Ihnen.